Was Stoff, Alcantara und Leder vertragen
Stoffbezüge im Auto sind überwiegend aus Polyester. Darunter liegen eine dünne Schaumstoffschicht und der Sitzschaum, und der saugt wie ein Schwamm jede Flüssigkeit auf, die durch den Stoff läuft.
Leder im Auto ist fast immer pigmentiert: Farbe und Schutzlack liegen als Schicht obendrauf. Die lässt kaum Flüssigkeit durch, verträgt aber weder ständiges Reiben noch scharfe Reiniger.
| Material | So reinigen | Trocknet in | Nicht verwenden |
|---|---|---|---|
| Stoff (Polyester, Velours) | Polsterreiniger vorsprühen, bürsten, mit Handdüse extrahieren | 4–8 Stunden, Fenster gekippt | Polsterschaum ohne Absaugen (Rückstände ziehen Schmutz an), viel Wasser, Dampf ohne Absaugen |
| Alcantara, Mikrofaser | milder Polsterreiniger, verdünnt, mit gut ausgewrungenem Schwamm, nicht rubbeln | 2–4 Stunden, danach aufbürsten | Extraktion mit hohem Druck, Lösemittel, Lederpflege |
| Leder, pigmentiert | pH-neutraler Lederreiniger als Schaum, danach Lederpflege | ca. 30 Minuten | Allzweckreiniger, Alkohol, Sattelseife, Babyfeuchttücher, Silikonspray |
| Anilinleder (offenporig) | nur Reiniger für Anilinleder, gleichmäßig von Naht zu Naht, nie nur den Fleck, vorher an verdeckter Stelle testen | mehrere Stunden | nasse Tücher, Fleck einzeln behandeln, jeder andere Reiniger |
| Kunstleder | Neutralreiniger mit Tuch, bei Narbung weiche Bürste | sofort | Alkohol, Aceton, Scheuermittel |
Den Sicherheitsgurt ziehen Sie ganz heraus und sichern ihn mit einer Klammer. Dann reinigen Sie ihn mit etwas Spülmittel in lauwarmem Wasser und einer weichen Bürste und wischen ihn ab. Polster- und Fleckenreiniger, Bleiche und Lösemittel haben am Gurt nichts zu suchen. Lassen Sie ihn über Nacht ausgezogen trocknen und rollen Sie ihn erst danach wieder auf.
Stoffsitze mit dem Sprühextraktionsgerät reinigen
An Stoffsitzen sehen wir vor allem eine graue Sitzfläche, während der übrige Bezug sauber ist. Das ist ein Film aus Hautfett, Jeansabrieb und Straßenstaub. Der Polsterreiniger löst ihn, das Gerät saugt ihn samt Wasser wieder ab.
In vielen Sitzen steckt eine Sitzheizung, im Beifahrersitz auch die Sitzbelegungserkennung für den Airbag. Solche Sitze dürfen nie durchnässt werden. Arbeiten Sie deshalb nur mit dem Sprüher, nie mit Eimer und nassem Schwamm.
Sehen Sie vorher in der Betriebsanleitung nach, ob der Hersteller Nassreinigung überhaupt erlaubt. Solange der Beifahrersitz feucht ist, kann die Sitzbelegungserkennung ihn falsch einstufen. Stellen Sie bis dahin keinen Kindersitz darauf und achten Sie auf die Airbag-Kontrollleuchte.
- Erst trocken. Saugen Sie mit Fugendüse und Bürstenaufsatz, auch in den Nähten und unter der Sitzverstellung. Krümel, Sand und Haare müssen raus, weil daraus mit Wasser Schlamm wird.
- Flecken einzeln. Kaffee, Saft und Milch behandeln Sie mit Polsterfleckenentferner vor, Fett und Schokolade mit etwas Spülmittel in lauwarmem Wasser und Kaugummi mit Kältespray. Nach kurzem Einwirken tupfen Sie, statt zu reiben.
- Mit dem Drucksprüher. Verdünnen Sie den Polsterreiniger laut Etikett, bei Konzentraten oft auf 1:10 bis 1:20. Füllen Sie zuerst kaltes Wasser in den Drucksprüher und geben Sie dann das Konzentrat dazu. Andersherum spritzt Konzentrat hoch, und mit warmem Wasser steigen mehr Dämpfe auf. Sprühen Sie die Lösung dünn auf die ganze Sitzfläche. Der Stoff soll danach überall gleichmäßig feucht sein.
- Nach 5 bis 10 Minuten. Gehen Sie mit einer Polsterbürste in kleinen Kreisen über den Stoff, damit der Reiniger den Schmutz von den Fasern löst.
- Handdüse und klares Wasser. Füllen Sie den Tank mit klarem, lauwarmem Wasser. Ziehen Sie die Düse langsam in Bahnen von der Rückenlehne zur Sitzfläche. Wir fahren jede Bahn zweimal, beim zweiten Mal ohne Sprühen, nur saugend.
- Letzter Durchgang. Saugen Sie die ganze Fläche ohne Sprühen ab, bis kaum noch Wasser im Schlauch zu sehen ist. Danach soll sich der Sitz höchstens noch feucht anfühlen.
- Trockenzeit. Kippen Sie die Fenster. Im Sommer stellen Sie das Auto in die Sonne, im Winter lassen Sie Standheizung oder Gebläse laufen, dann aber nur im Freien und nie in der geschlossenen Garage. Bis der Sitz trocken ist, setzen Sie sich nicht darauf und legen auch keine Schutzfolie auf.
Ledersitze: Schaumreiniger, dann Pflege
Stellen Sie das Auto in den Schatten und öffnen Sie die Fenster. Den Lederreiniger tragen Sie als Schaum auf und arbeiten ihn mit einer weichen Bürste in die Narbung ein. Sobald er den Film aus Hautfett und Jeansfarbe gelöst hat, nehmen Sie ihn mit einem Mikrofasertuch ab.
Danach kommt eine Lederpflege auf Wasserbasis. Tragen Sie sie dünn mit dem Schwamm auf, lassen Sie sie einziehen und polieren Sie mit dem Tuch nach. Silikonhaltige Cockpitsprays gehören nicht aufs Leder, weil sie die Sitze glänzend und rutschig machen.
Milch, Urin und Erbrochenes aus dem Polster holen
Abdruck unter dem Kindersitz
Unter dem Kindersitz drücken sich Milch, Saft und Kekskrümel über Monate in den Bezug. Wir arbeiten dort nur lauwarm, weil Milch Eiweiß enthält, das in heißem Wasser gerinnt und sich dann erst recht festsetzt. Geben Sie Enzym- oder Polsterreiniger darauf, lassen Sie ihn einwirken und extrahieren Sie danach.
Bei Restgeruch kommt Enzymreiniger auf die Stelle und bleibt über Nacht unter Folie. Hat der Sitz eine Sitzheizung oder Sitzbelegungserkennung, tragen Sie ihn nur sparsam auf und lassen ihn nicht unter Folie stehen.
Erbrochenes und Urin im Privatwagen
Ziehen Sie Einmalhandschuhe an und nehmen Sie die Feststoffe mit Küchenpapier oder einem Einwegtuch ab. Dann tragen Sie Enzymreiniger großzügig auf, damit er so tief kommt wie die Flüssigkeit, und lassen ihn über Nacht unter Folie wirken. Erst am nächsten Tag reinigen Sie mit dem Sprühextraktionsgerät nach.
Bei Sitzheizung oder Sitzbelegungserkennung gilt auch hier: nur sparsam auftragen, keine Folie. Ist der Urin in so einem Sitz schon bis in den Sitzschaum gezogen, bringen Sie das Auto zum Fahrzeugaufbereiter.
Im Privatwagen reicht gründliches Reinigen. Desinfizieren nur, wenn Arzt oder Gesundheitsamt es raten.
Taxi, Fahrdienst und Pflegedienst
Hier gilt nach Blut, Erbrochenem oder Stuhl der Hygieneplan, und die Reihenfolge ist eine andere. Nehmen Sie alles mit einem Einwegtuch auf und desinfizieren Sie die Stelle erst danach. Im Pflegedienst nehmen Sie dafür ein VAH-gelistetes Mittel.
Die volle Einwirkzeit vom Etikett gilt nach Blut, Erbrochenem oder Stuhl, sichtbar trocken reicht dann nicht. Anschließend extrahieren Sie mit klarem Wasser, und erst danach kommt Enzymreiniger gegen den Geruch. Desinfektionsmittel machen die Enzyme unwirksam, deshalb nie beides direkt nacheinander.
Auf Leder nehmen Sie nur ein alkoholfreies Mittel, das für Leder freigegeben ist. Ist ein Stoffpolster durchnässt, erreicht eine Wischdesinfektion den Sitzschaum nicht. Dann gehört der Sitz nach Hygieneplan zum Fachbetrieb.
Stoffsitze im Taxi monatlich, im Privatwagen jährlich
Wie oft ein Auto dran ist, hängt davon ab, wie viele Leute am Tag ein- und aussteigen und ob Kinder oder ein Hund mitfahren.
| Fahrzeug | Saugen | Polster und Leder |
|---|---|---|
| Privatwagen ohne Kinder und Hund | monatlich | jährlich und vor dem Verkauf |
| Familienauto mit Kindersitz | alle 14 Tage, Flecken sofort | halbjährlich, Rückbank vierteljährlich |
| Vorführwagen und Gebrauchte im Autohaus | wöchentlich, vor jeder Probefahrt ansehen | bei Hereinnahme, danach nach Bedarf |
| Dienstwagen, Poolfahrzeuge | wöchentlich | Fahrersitz vierteljährlich, alle Sitze jährlich |
| Taxi, Fahrdienst, Pflegedienst | wöchentlich, Kontaktflächen täglich abwischen | Stoffsitze monatlich, Leder wöchentlich abwischen |
Aus unserem Laden
Produkte aus diesem Artikel
Erhältlich bei der Klar GmbH, Wölflstraße 17, Penzberg. Wir beraten, welches Mittel zu Ihrer Fläche passt. Zum Produktkatalog.
Häufige Fragen dazu
Der Sitz ist am nächsten Tag immer noch feucht. Was tun?
Öffnen Sie die Fenster, klappen Sie die Lehne nach vorn und lassen Sie ein Gebläse oder einen kleinen Bautrockner laufen, notfalls zwei Tage lang. Im Sitzschaum steckt dann noch Wasser, das sonst anfängt zu riechen. Beim nächsten Mal sprühen Sie weniger und saugen länger nach.
Reicht ein Waschsauger aus dem Baumarkt für die Autositze?
Ja, wenn er eine Sprühfunktion und eine Handdüse für Polster hat. Weil kleine Geräte schwächer saugen und mehr Wasser im Sitz lassen, sprühen Sie sparsam und fahren jede Bahn öfter nur saugend. Planen Sie auch mehr Trockenzeit ein.
Darf der Dampfreiniger an die Stoffsitze?
Das geht nur, wenn Sie direkt danach absaugen. Dampf löst den Schmutz, drückt ihn ohne Absaugen aber tiefer in den Schaum. Dazu kann die Hitze Klebstoffe im Sitzaufbau lösen.
Im Auto riecht es muffig, Flecken sehe ich aber keine. Woher kommt das?
Der muffige Geruch kommt meist von Feuchtigkeit im Sitzschaum oder in den Fußmatten und im Teppich darunter. Heben Sie die Matten an und fühlen Sie nach. Ein Mittel gegen den Geruch lohnt sich erst, wenn alles trocken ist. Riecht es vor allem bei laufendem Gebläse, sitzt der Geruch eher in der Klimaanlage.
Der Hund fährt immer mit. Wo steckt der Geruch?
Hundegeruch steckt im Kofferraumteppich und in der Lehne der Rückbank. Behandeln Sie beides mit Enzymreiniger und extrahieren Sie anschließend. Wenn er bleibt, kann eine Ozonbehandlung beim Fahrzeugaufbereiter helfen. Ozon reizt die Atemwege, deshalb muss das Auto danach gründlich gelüftet werden.
Bevor Sie loslegen
Die Angaben stammen aus unserer täglichen Arbeit und aus den Herstellerangaben der Mittel. Untergründe, Beschichtungen und Verschmutzungen unterscheiden sich trotzdem von Objekt zu Objekt. Testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle, halten Sie sich an die Dosierung und die Sicherheitshinweise des Herstellers und mischen Sie niemals zwei Reiniger. Für Schäden, die aus der Anwendung dieser Anleitung entstehen, können wir nicht haften.




