Warum Rotwein so hartnäckig färbt
Rotwein enthält Anthocyane, wasserlösliche Farbstoffe aus der Traubenschale, und Tannine, die als Gerbstoffe an Fasern binden. Frisch sind die Anthocyane noch gelöst und lassen sich mit Wasser verdünnen. Trocknet der Fleck, oxidieren die Farbstoffe und die Tannine verbinden sich dauerhaft mit Wolle, Baumwolle und Polyamid. Wärme beschleunigt diese Bindung. Deshalb gilt: nie heißes Wasser, nie Föhn, nie in den Trockner, bevor der Fleck weg ist.
- Frisch, unter 30 Minuten: Farbstoff gelöst, Wasser reicht meist
- Angetrocknet, wenige Stunden: Fleckensalz oder Gallseife, dann Wasser
- Eingetrocknet, Tage: Sauerstoffbleiche mit Einwirkzeit
- Gewaschen und getrocknet: Farbstoff fixiert, nur noch Bleiche mit Restrisiko
Salz, Weißwein, Sekt: was die Mythen taugen
| Mittel | Wirkung | Urteil |
|---|---|---|
| Salz | Saugt Flüssigkeit, drückt Farbstoff aber in die Faser, hinterlässt Kristalle und Ränder | Nein. Küchenpapier saugt besser |
| Weißwein oder Sekt | Verdünnt, wie Wasser. Zucker im Wein hinterlässt klebrigen Rest | Nur, wenn kein Wasser da ist |
| Kaltes Wasser | Verdünnt Anthocyane, spült aus | Ja, erste Wahl bei frischem Fleck |
| Mineralwasser mit Kohlensäure | Kohlensäure lockert leicht, sonst wie Wasser | Ja, kein Nachteil |
| Fleckensalz (Percarbonat) | Setzt Sauerstoff frei, oxidiert Farbstoff farblos | Ja, bei Textilien ab 40 Grad, auf Teppich als Paste |
| Gallseife | Tenside plus Gallensäure lösen Tannine und Fett | Ja, bei Tischdecke und Kleidung |
| Wasserstoffperoxid 3 Prozent | Bleicht Farbstoff | Nur auf Weiß, vorher Farbechtheit testen |
| Chlorbleiche | Bleicht alles, auch die Faser | Nein, nie auf Wolle, Seide, Buntes |
| Zitronensäure | Stabilisiert Anthocyane rot | Nein, fixiert den Fleck |
Sauerstoffbleiche auf Basis Natriumpercarbonat ist das Mittel, das wir in der Textilreinigung einsetzen. Sie wirkt ab 40 Grad Wassertemperatur, bei Teppich als Paste über eine Stunde. Auf Wolle und Seide nicht, die Faser vergilbt.
So gehen Sie vor: frischer Fleck auf Teppich
- Aufnehmen. Sofort mit Küchenpapier oder weißem Tuch von außen nach innen tupfen. Nicht reiben, nicht drücken, sonst geht der Wein tiefer in den Flor. Tuch wechseln, sobald es rot ist.
- Verdünnen. Kaltes Wasser tröpfchenweise auf den Fleck, wieder abtupfen. Drei- bis fünfmal wiederholen, bis das Tuch kaum noch Farbe zieht.
- Lösen. Einen Teelöffel Neutralreiniger oder Fleckensalz auf 250 Milliliter lauwarmes Wasser. Mit Tuch auftragen, 5 Minuten einwirken, abtupfen.
- Nachspülen. Mit klarem Wasser tupfen, bis kein Schaum mehr kommt. Reinigerreste ziehen Schmutz an und bilden nach Wochen einen grauen Fleck.
- Trocknen. Ein Stapel Küchenpapier auf die Stelle, mit einem Buch beschweren, über Nacht liegen lassen. Das zieht Restfeuchte und Restfarbe nach oben.
- Aufbürsten. Am Morgen Flor mit weicher Bürste aufrichten. Bleibt ein blasser Schatten, Schritt 3 mit Sauerstoffbleiche als Paste wiederholen.
Eingetrockneter Fleck: Tischdecke, Sofa, Teppich
Tischdecke und Kleidung
Fleck mit kaltem Wasser anfeuchten, Gallseife einreiben, 15 Minuten warten. Dann in die Waschmaschine mit Vollwaschmittel und einem Esslöffel Fleckensalz bei der höchsten erlaubten Temperatur, bei Baumwolle 60 Grad. Vor dem Trocknen prüfen. Ist noch etwas zu sehen, nochmals waschen. Der Trockner fixiert jeden Rest für immer.
Sofa mit Stoffbezug
Pflegekennzeichen prüfen. W oder WS bedeutet: wasserbasierte Reinigung erlaubt. Dann wie beim Teppich vorgehen, aber weniger Wasser, sonst zieht die Feuchte in den Schaum und es bilden sich Ränder. S bedeutet nur Lösemittel, da hilft bei Rotwein nur die professionelle Polsterreinigung.
Wollteppich
Keine Sauerstoffbleiche, keine Alkalien. Nur Neutralreiniger und lauwarmes Wasser, mehrfach tupfen. Wolle nimmt Farbstoff schnell auf, aber gibt ihn auch relativ leicht wieder ab. Bleibt ein Rest, Sprühextraktion vom Profi.
Fleck ist schon mal gewaschen worden
Dann ist der Farbstoff gebunden. Bei weißer Baumwolle: 10 Minuten in Wasserstoffperoxid 3 Prozent, danach ausspülen. Bei Buntem bleibt nur ein Versuch mit Fleckensalz bei 40 Grad und die Bereitschaft, den Fleck zu behalten.
Fehler, die den Fleck dauerhaft machen
- Reiben: Der Flor franst aus, die Stelle bleibt auch sauber sichtbar.
- Heißes Wasser: Tannine gerinnen wie Eiweiß und binden fest.
- Zu viel Wasser auf Teppich: Der Rücken wird nass, es bildet sich ein brauner Rand aus gelöstem Kleber.
- Föhn: Hitze fixiert Farbstoff, Rand wird braun.
- Buntes Tuch: Färbt selbst ab. Nur Weiß verwenden.
- Reiniger nicht ausgespült: Nach vier Wochen ist die Stelle grau, weil der Rest Schmutz bindet.
- Teppichschaum aus dem Supermarkt: Hinterlässt oft mehr Rückstand als Wirkung.
Wann der Profi
Für eine Tischdecke lohnt kein Profi. Für Teppichböden in Hotels, Ferienwohnungen am Starnberger See und in Kochel sowie nach Firmenfeiern in Büros ja: Sprühextraktion bringt Wasser mit Reiniger unter Druck in den Flor und saugt beides sofort wieder ab. Der Farbstoff wird ausgespült, nicht nur verdünnt, und der Teppich ist nach 4 bis 6 Stunden begehbar. Bei Wollteppichen und Polstern mit Kennzeichen S arbeiten wir mit Trockenschaum oder Lösemittel.
Ehrlich gesagt: Rotwein, der über eine Woche eingetrocknet und schon mit Salz und heißem Wasser behandelt wurde, bekommt auch die Maschine nicht immer restlos heraus.
Aus unserem Laden
Produkte aus diesem Artikel
Erhältlich bei der Klar GmbH, Wölflstraße 17, Penzberg. Wir beraten, welches Mittel zu Ihrer Fläche passt. Zum Produktkatalog.
Häufige Fragen dazu
Hilft Salz auf Rotweinflecken?
Nein. Salz saugt zwar Flüssigkeit, drückt den Farbstoff aber in die Faser und hinterlässt Kristallränder. Küchenpapier und kaltes Wasser sind besser.
Kann ich Rotwein aus Wollteppich entfernen?
Meist ja, mit kaltem Wasser, Neutralreiniger und Geduld beim Tupfen. Keine Sauerstoffbleiche und keine alkalischen Reiniger, die Wolle verfilzt und vergilbt.
Geht ein alter Rotweinfleck noch raus?
Bei Baumwolle und Polyester mit Fleckensalz bei 40 bis 60 Grad oft ja. Ist der Fleck schon gewaschen und im Trockner gewesen, bleibt meist ein Schatten.
Bevor Sie loslegen
Die Angaben stammen aus unserer täglichen Arbeit und sind sorgfältig geprüft. Untergründe, Beschichtungen und Verschmutzungen unterscheiden sich trotzdem von Objekt zu Objekt. Testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle, halten Sie sich an die Dosierung und die Sicherheitshinweise des Herstellers und mischen Sie niemals zwei Reiniger. Für Schäden, die aus der Anwendung dieser Anleitung entstehen, können wir nicht haften.




