Drei Fälle, in denen Desinfektion sinnvoll ist
Beim Reinigen holen Sie Schmutz und die meisten Keime mit dem Tuch von der Fläche. Ein Desinfektionsmittel verringert die übrigen Erreger zusätzlich, aber nur, wenn Konzentration und Einwirkzeit stimmen. Zu Hause brauchen Sie es nur, wenn Arzt oder Gesundheitsamt dazu raten, und das betrifft vor allem drei Fälle.
| Anlass | Was desinfizieren |
|---|---|
| Magen-Darm-Infekt (Noro-, Rotaviren) | WC-Sitz, Spültaste, Wasserhahn, Türklinke und Lichtschalter im Bad, Kühlschrankgriff |
| Erbrochenes, Blut oder Stuhl eines Kranken | die Stelle, nachdem Sie alles mit einem Einwegtuch aufgenommen haben |
| Chemotherapie, Immunsuppression, Frühgeborenes, Pflege mit Katheter, resistente Keime | was Arzt oder Pflegedienst vorgeben |
Wogegen die gängigen Wirkstoffe helfen
Welches Mittel Sie brauchen, hängt vom Erreger ab. Gegen Grippe- und Coronaviren wirken mehr Wirkstoffe als gegen Noroviren.
| Wirkstoff | Wirkt gegen | Grenzen |
|---|---|---|
| Alkohol 70 % (Ethanol, Isopropanol) | Bakterien, Pilze, behüllte Viren | Noroviren nur, wenn das Etikett sie nennt; nur kleine Flächen, leicht entzündlich; nicht auf Acrylglas |
| QAV (quartäre Ammoniumverbindungen) | Bakterien, Pilze, behüllte Viren | Noroviren nur mit Angabe „PLUS“ oder „viruzid“, keine Sporen |
| Sauerstoffabspalter (Peressigsäure, Wasserstoffperoxid) | mit Angabe „PLUS“ oder „viruzid“ auch Noro- und Rotaviren | Peressigsäure-Konzentrat ätzt Haut und Augen, greift bei langer Einwirkzeit Metall an |
| Chlorreiniger (Natriumhypochlorit) | auch Noroviren | alkalisch, bleicht Textilien, greift Metall an, reizt Augen und Atemwege |
| Heißes Wasser: Wäsche ab 60 °C mit Vollwaschmittel, Spülmaschine ab 60 °C | die meisten Bakterien und Viren | nur für Wäsche, Geschirr und Spültücher, keine Sporen |
Auf dem Etikett stehen zwei Angaben, die zusammengehören, die Konzentration und die Einwirkzeit. Die Einwirkzeit sagt, wie viele Minuten das Mittel auf der Fläche bleibt, bevor Sie abwischen oder abspülen. Wenn Sie dünner ansetzen oder früher abwischen, wirkt das Mittel nicht mehr zuverlässig gegen die Erreger auf der Flasche.
VAH-gelistet heißt, die Wirkung gegen Bakterien und Hefen ist nach den Prüfmethoden des Verbunds für Angewandte Hygiene für Konzentration und Einwirkzeit geprüft. Gegen welche Viren ein Mittel wirkt, steht als eigene Angabe auf der Flasche. Für Viren gibt es drei Angaben:
- „begrenzt viruzid“ wirkt gegen behüllte Viren wie Grippe- und Coronaviren.
- „begrenzt viruzid PLUS“ wirkt zusätzlich gegen Noro-, Rota- und Adenoviren. Auf diese Angabe achten Sie bei einem Magen-Darm-Infekt.
- „viruzid“ wirkt gegen behüllte und unbehüllte Viren.
So desinfizieren Sie eine Fläche
- Zuerst der Schmutz. Ziehen Sie Einmalhandschuhe an, bevor Sie Erbrochenes, Blut oder Stuhl mit einem Einwegtuch aufnehmen. Bei Erbrochenem während eines Noro-Infekts öffnen Sie das Fenster, geben das Tuch sofort in einen Beutel und verschließen ihn. Danach säubern Sie die Fläche mit Neutralreiniger und Tuch, weil Fett, Eiweiß und Schmutz die Keime vor dem Desinfektionsmittel schützen. Auf einem fettigen Herd wirkt es deutlich schlechter. Wischen Sie mit klarem Wasser nach und lassen Sie die Fläche trocknen, bevor das Desinfektionsmittel drankommt, denn Reste vom Reiniger schwächen manche Wirkstoffe.
- Die Lösung ansetzen. Mischen Sie das Konzentrat so an, wie es auf dem Etikett steht, zum Beispiel 0,5 %. Das sind 50 ml auf 10 l Wasser. Geben Sie erst kaltes Wasser in den Eimer, dann das Konzentrat. Außer Wasser kommt nichts in den Eimer, auch kein Reiniger. Nehmen Sie auch nicht weniger Konzentrat, weil die Einwirkzeit nur für die angegebene Mischung gilt. Bei ätzenden Konzentraten tragen Sie Schutzbrille und Handschuhe.
- Tuch statt Sprühflasche. Behalten Sie die Handschuhe an, geben Sie das Mittel auf das Tuch, das sein Hersteller dafür nennt, und benetzen Sie die Fläche damit vollständig. Wir arbeiten beim Desinfizieren mit dem Tuch und lassen die Sprühflasche weg, weil Sprühnebel in die Luft geht und die Fläche ungleichmäßig trifft. Schalter und Steckdosen wischen Sie nur nebelfeucht ab. Nebelfeucht heißt, dass aus dem ausgewrungenen Tuch kein Tropfen mehr läuft. Das Handy schalten Sie vorher aus und wischen es mit einem feuchten Tuch ab, ohne Sprühen und ohne Chlorreiniger. Damit ist es gereinigt, aber nicht desinfiziert. Gegen Noroviren wirkt ein Tuch nur, wenn seine Packung Noroviren nennt und der Handy-Hersteller es zulässt. Danach waschen Sie die Hände.
- Bevor jemand die Fläche anfasst. Nach Blut, Erbrochenem oder Stuhl und bei einem Magen-Darm-Infekt warten Sie die volle Einwirkzeit vom Etikett ab. Böden erst betreten, wenn sie trocken sind. In allen anderen Fällen können Sie die Fläche wieder benutzen, sobald sie trocken aussieht.
- Nachwischen nur ausnahmsweise. Lassen Sie das Mittel antrocknen und reiben Sie die Fläche nicht trocken. Arbeitsflächen in der Küche und Kinderspielzeug wischen Sie erst nach der vollen Einwirkzeit mit klarem Wasser ab, damit keine Reste an Lebensmittel oder in den Mund kommen. Chlorreiniger schadet Armaturen und Edelstahl, dort darf er nicht antrocknen. Nach der Einwirkzeit nehmen Sie ihn mit klarem Wasser ab und reiben trocken. Für Armaturen können Sie auch gleich ein Mittel ohne Chlor nehmen, das gegen Noroviren wirkt.
- Zum Schluss das Tuch. Einwegtücher kommen in den Restmüll, ein Mikrofasertuch waschen Sie getrennt bei 60 °C mit Vollwaschmittel. Die Handschuhe ziehen Sie zuletzt aus und geben sie in den Beutel zum Tuch. Danach waschen Sie gründlich die Hände.
Wo Desinfektion zu Hause übertrieben ist
Im Haushalt landet Desinfektionsmittel gern auf Boden und Spüle, während das Spültuch tagelang feucht an der Armatur hängt. Gerade darin vermehren sich Bakterien bei Zimmerwärme. Diese Gewohnheiten können Sie sich sparen:
| Gewohnheit | Was genügt |
|---|---|
| Boden täglich desinfizieren | feucht wischen mit Wasser und Reiniger |
| Spüle mit Desinfektionsspray | heißes Wasser, Spülmittel, Spültuch täglich wechseln |
| Einkäufe abwischen | Hände waschen nach dem Einräumen |
| WC nach jedem Toilettengang desinfizieren | regelmäßig reinigen, etwa einmal pro Woche |
| Reiniger mit Desinfektionszusatz im Alltag | normaler Reiniger |
| Ozongerät oder UV-Lampe im Wohnraum | Stoßlüften |
Ozon reizt die Atemwege, und UV-Licht wirkt nur auf Flächen, die es direkt bestrahlt, hinter dem Sofa zum Beispiel gar nicht. Reiniger mit Desinfektionszusatz bringen im Haushalt in der Regel keinen Vorteil und können Resistenzen fördern.
Desinfektionsmittel sicher benutzen und lagern
Chlorreiniger immer allein. Chlorreiniger bildet mit drei Gruppen von Mitteln giftige Gase.
| Chlorreiniger zusammen mit … | es entsteht |
|---|---|
| Säure: Entkalker, saurer WC-Reiniger, Essig, Zitronensäure, Peressigsäure | Chlorgas |
| Alkohol, alkoholisches Desinfektionsmittel | Chloroform und andere giftige Stoffe |
| Salmiakgeist, Glasreiniger mit Ammoniak | Chloramine, reizen Augen und Atemwege |
- Auch nicht nacheinander. Ob ein Reiniger Chlor enthält, sehen Sie oft erst an der Inhaltsangabe, dort steht Natriumhypochlorit oder Aktivchlor. Gefährliche Gase entstehen auch, wenn Sie zwei Mittel kurz nacheinander auf dieselbe Fläche geben, etwa Chlorreiniger und ein Mittel mit Peressigsäure. Deshalb spülen wir dazwischen gründlich mit klarem Wasser nach. Nach einem Mischunfall sofort raus an die frische Luft. Das Fenster nur öffnen, wenn es auf dem Weg liegt. Bei Husten oder Atemnot den Giftnotruf oder 112 anrufen. Erst nach dem Lüften zurück und Reste mit viel Wasser wegspülen.
- Chlorreiniger ist alkalisch. Laugen verätzen das Auge meist schwerer als Säuren. Wenn das Etikett das Ätzsymbol trägt, gehören Schutzbrille und Handschuhe dazu. Nach einem Spritzer ins Auge spülen Sie mindestens 10 Minuten mit Wasser und halten die Lider dabei auseinander. Danach geht es immer zum Augenarzt.
- Alkohol nur auf kleinen Flächen. Die Dämpfe von 70-prozentigem Alkohol sind leicht entzündlich. Auf einer großen Arbeitsfläche neben dem Gasherd können sie Feuer fangen. Für größere Flächen nehmen wir deshalb ein Mittel ohne Alkohol.
- Nie in Getränkeflaschen umfüllen. Desinfektionsmittel bleiben in der Originalflasche mit Etikett, außer Reichweite von Kindern und weg von Lebensmitteln. Chlorreiniger lagern Sie kühl und dunkel.
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Erhältlich bei der Klar GmbH, Wölflstraße 17, Penzberg. Wir beraten, welches Mittel zu Ihrer Fläche passt. Zum Produktkatalog.
Häufige Fragen dazu
Stimmt es, dass Essig auch desinfiziert?
Nein. Essig und Zitronensäure lösen Kalk, gegen Viren und viele Bakterien wirken sie nicht zuverlässig. Für eine Desinfektion brauchen Sie 70-prozentigen Alkohol oder ein Mittel mit geprüfter Wirkung, bei einem Magen-Darm-Infekt ein Mittel mit „begrenzt viruzid PLUS“. Bringen Sie Essig nie mit Chlorreiniger zusammen, weil dabei Chlorgas entsteht.
Muss ich nach Corona oder Grippe die ganze Wohnung desinfizieren?
Für Grippe- und Coronaviren genügt gründliches Reinigen mit normalem Reiniger, weil das Tuch die Viren von der Fläche mitnimmt. Wischen Sie Klinken und Fernbedienung täglich ab, Lichtschalter nur nebelfeucht, das Handy des Erkrankten ausgeschaltet mit einem feuchten Tuch. Die Bettwäsche waschen Sie bei 60 °C. Noch mehr bringt Stoßlüften, mehrmals täglich einige Minuten, denn Atemwegsviren verbreiten sich vor allem über die Luft.
Reicht Handdesinfektion, wenn gerade keine Seife da ist?
Bei sauberen Händen ja. Auf sichtbar schmutzigen Händen wirkt sie nicht zuverlässig. Spülen Sie die Hände dann erst unter fließendem Wasser ab, trocknen Sie sie und desinfizieren Sie danach. Bei einem Magen-Darm-Infekt nehmen Sie ein Mittel mit „begrenzt viruzid PLUS“.
Bevor Sie loslegen
Die Angaben stammen aus unserer täglichen Arbeit und aus den Herstellerangaben der Mittel. Untergründe, Beschichtungen und Verschmutzungen unterscheiden sich trotzdem von Objekt zu Objekt. Testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle, halten Sie sich an die Dosierung und die Sicherheitshinweise des Herstellers und mischen Sie niemals zwei Reiniger. Für Schäden, die aus der Anwendung dieser Anleitung entstehen, können wir nicht haften.




