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Pflegeheim reinigen: Standards und Ablauf

Gewerbe Lesezeit 5 Minuten · Klar GmbH, Gebäudereinigung Penzberg

Beim Putzen im Pflegeheim sind die Bewohner fast immer im Zimmer, oft liegt jemand im Bett. Was nur gereinigt und was desinfiziert wird, steht im Hygieneplan des Hauses. Bei Norovirus ändern sich für die betroffenen Zimmer Mittel und Reihenfolge.

Pflegeheim reinigen: Standards und Ablauf

Reinigen, während die Bewohner da sind

Eine Zeit ohne Bewohner gibt es nicht. Wir arbeiten um Pflege, Essen und Mittagsruhe herum. In vielen Zimmern liegt jemand im Bett, der nicht aufstehen kann, während daneben gewischt wird.

Menschen mit Demenz reagieren auf fremde Gesichter oft mit Unruhe oder Angst. Wenn jede Woche eine andere Reinigungskraft kommt, merkt das zuerst die Pflege. Eine feste Kraft kennt dagegen die Eigenheiten im Zimmer, etwa wer den Nachttisch nicht angefasst haben will und wer gern kurz redet.

Zimmerkarte am Wagen: Ausnahmen wie „Nachttisch nicht anfassen“ sprechen wir mit der Pflege ab und notieren sie auf einer Karte je Zimmer, damit auch die Vertretung Bescheid weiß.

Was der Hygieneplan je Bereich vorgibt

Das Infektionsschutzgesetz verlangt von Pflegeheimen einen Hygieneplan. Darin stehen Turnus, Verfahren und Mittel für jede Fläche. Die Tabelle zeigt eine häufige Aufteilung für den Normalbetrieb. Wenn im Plan des Hauses etwas anderes steht, gilt der Plan.

BereichTurnusVerfahren und Mittel
Zimmer: Nachttisch, Bettgestell, Klingel, Griffetäglichreinigen, blaues Tuch je Zimmer; desinfizieren bei Verschmutzung mit Körperflüssigkeit und bei Bewohnern mit Infektion oder MRE, manche Hygienepläne sehen tägliche Wischdesinfektion vor
Zimmer: Bodentäglichfeucht wischen mit Unterhaltsreiniger, Bezug je Zimmer; desinfizieren nur bei Verschmutzung mit Körperflüssigkeit
Bewohnerbad und WCtäglichsaurer Sanitärreiniger, gelbes Tuch fürs Becken, rotes fürs WC; desinfizieren bei Verschmutzung mit Körperflüssigkeit und bei Infektion oder MRE
Pflegebad, Duschstuhl, Wannenlifternach jeder Nutzung durch die Pflege, täglich gründlich durch die ReinigungWischdesinfektion samt Wannenrand, Armaturen und Haltegriffen
Flure, AufenthaltsräumetäglichBoden feucht mit Unterhaltsreiniger, Handläufe reinigen, in manchen Häusern wischdesinfizieren
Speiseraum, Verteilerküchenach jeder MahlzeitTische und Boden, Mittel für Lebensmittelflächen, grünes Tuch
Grundreinigung Zimmerbei Auszug, sonst im Turnus des HygieneplansBett, Matratzenbezug, Schränke innen, Fenster

Der Rundgang durch ein Bewohnerzimmer

Wir arbeiten jedes Zimmer in derselben Reihenfolge ab, weil im Pflegeheim immer wieder die Pflege oder ein Gespräch dazwischenkommt. Mit fester Reihenfolge ist danach klar, welcher Schritt noch fehlt.

  1. An der Tür. Klopfen Sie an, grüßen Sie und sagen Sie Ihren Namen, auch wenn der Bewohner schläft oder nicht antwortet. Wenn gerade Pflege im Zimmer läuft, kommen Sie später wieder.
  2. Hände zuerst. Nehmen Sie so viel Händedesinfektionsmittel, dass die Hände 30 Sekunden feucht bleiben, mindestens 3 ml. Nicht an der Kleidung abwischen, sondern trocknen lassen, dann Handschuhe an.
  3. Kontaktflächen. Nachttisch, Bettgestell, Bettbügel, Rollatorgriffe und die Türklinke innen und außen wischen Sie mit dem blauen Tuch ab. Wird desinfiziert, muss das Tuch satt mit gebrauchsfertiger Lösung getränkt sein, jede Fläche ganz benetzt werden und von selbst trocknen. Lichtschalter, Klingel, Fernbedienung und den Handschalter vom Bett nehmen Sie mit gut ausgedrücktem Tuch. Dort darf nichts tropfen, sonst läuft Flüssigkeit in die Elektrik.
  4. Bad und WC reinigen. Von sauber nach schmutzig: gelbes Tuch für Spiegel, Becken und Fliesen, rotes für Spültaste, Papierhalter, WC-Sitz, WC außen und zum Schluss innen. Die Armatur nehmen Sie mit einem weichen Baumwolltuch, weil Armaturenhersteller von Mikrofaser abraten. Der saure Reiniger kommt aufs Tuch und nur auf säurefeste Flächen. Die Haltegriffe nicht, viele sind aus Polyamid und vertragen keine Säure. Zementfugen vorher nass machen, danach alles kalt nachspülen und die Armatur mit dem Baumwolltuch trocken reiben.
  5. Bad desinfizieren, Handschuhe wechseln. Nach Verschmutzung mit Körperflüssigkeit oder bei Infektion desinfizieren Sie Haltegriffe, Armatur, Spültaste und WC-Sitz mit frischem Tuch in der richtigen Farbe. Dann in jedem Fall Handschuhe wechseln, Hände desinfizieren, weiter zum Boden. Fürs nächste Bad nehmen Sie frische Tücher.
  6. Der Boden zuletzt. Mit frischem Bezug geht es von der Fensterseite zur Tür, unter Bett und Nachttisch mit. Rollator und Stühle stellen Sie erst zurück, wenn der Boden trocken ist.
  7. Beim Hinausgehen. Zum Schluss wechseln Sie den Abfallbeutel. Wäsche auf dem Boden lassen Sie liegen, die sammelt die Pflege. Legen Sie die Klingel in Reichweite und stellen Sie die Tür so, wie sie war. Bezug und Tücher kommen in den Schmutzwäschesack am Wagen, dann ziehen Sie die Handschuhe aus und desinfizieren die Hände.

Norovirus-Ausbruch: andere Mittel, andere Reihenfolge

Bei Verdacht auf Norovirus wird aus einem normalen Zimmer von einem Tag auf den anderen ein Isolierzimmer. Was dann anders läuft, muss die Reinigungskraft schon vorher wissen und nicht erst an der Tür erfragen. Weil die Kontaktflächen im Ausbruch mehrmals am Tag drankommen, braucht der Reinigungsdienst in dieser Zeit zusätzliche Kräfte.

PunktNormalbetriebAusbruch
MittelVAH-gelistete FlächendesinfektionWirkungsbereich „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“
Kontaktflächen im Wohnbereichtäglich reinigenmehrmals täglich desinfizieren
Reihenfolgenach RundgangIsolierzimmer zuletzt
TücherMehrweg, je Zimmer frischEinwegtücher, Material bleibt im Zimmer
SchutzkleidungHandschuheSchutzkittel, Handschuhe, ggf. Maske
Ende der Isolierung–Schlussdesinfektion des Zimmers

Weil Noroviren keine Virushülle haben, belegt die Angabe „begrenzt viruzid“ allein keine Wirkung gegen sie. Wenn das Gesundheitsamt die Desinfektion anordnet, gilt die RKI-Liste statt der VAH-Liste.

Manche Ausbruchspläne schreiben ein chlorhaltiges Mittel vor. Im Produktnamen steht das oft nicht, auf dem Etikett aber als Natriumhypochlorit, Natriumdichlorisocyanurat oder Aktivchlor. Oft steht dazu der Warnsatz, dass bei Berührung mit Säure giftige Gase entstehen.

Bringen Sie Chlorreiniger nie mit Säure zusammen, auch nicht mit dem sauren Sanitärreiniger fürs Bad, weil dabei giftiges Chlorgas entsteht. Das passiert auch, wenn Sie beide Mittel kurz nacheinander an derselben Stelle benutzen, denn Reste im Tuch oder in der Fuge reichen dafür. Spülen Sie deshalb dazwischen mit viel klarem Wasser nach.

Auch Alkohol, etwa aus alkoholischen Desinfektionsmitteln, darf nie mit Chlorreiniger zusammenkommen, dabei entsteht unter anderem giftiges Chloroform.

Bei Grippe reicht „begrenzt viruzid“: Influenzaviren haben eine Hülle und lassen sich deshalb leichter abtöten als Noroviren.

Fehler, die Bewohner gefährden

  • Desinfektionsmittel trocken nachwischen. Nachwischen nimmt das Mittel wieder von der Fläche. Satt auftragen und von selbst trocknen lassen, dann ist die Fläche im Alltag wieder frei. Die volle Einwirkzeit vom Etikett warten Sie ab nach Blut, Erbrochenem oder Stuhl und bei der Schlussdesinfektion. Das Gleiche gilt, wenn Sie danach mit Wasser nachspülen, etwa auf den Tischen im Speiseraum. Das gilt auch für Mittel, deren Wirkung gegen Viren nur im Reagenzglas geprüft ist (Suspensionstest). Im Norovirus-Ausbruch sind das viele. Muss eine Fläche schnell wieder frei sein, nehmen Sie ein Mittel mit kurzer Einwirkzeit.
  • Auf Schmutz desinfizieren. Weil eingetrocknete Speisereste und Körperflüssigkeiten das Mittel schwächen, entfernen Sie groben Schmutz immer zuerst. Nehmen Sie Blut, Erbrochenes oder Stuhl erst mit einem Einwegtuch auf und desinfizieren Sie danach die Stelle. Ein Desinfektionsreiniger, der für Reinigen und Desinfizieren in einem Gang gelistet ist, spart den zweiten Durchgang nur bei leichter Verschmutzung.
  • Desinfektionsmittel aufsprühen. Sprühnebel landet in den Atemwegen, und die Fläche wird ungleichmäßig nass. Geben Sie das Mittel aufs Tuch.
  • Offener Wagen im Flur. Für Bewohner mit Demenz ist eine offene Flasche Reiniger eine Gefahr. Auf dem Wagen stehen nur gebrauchsfertige Lösungen in beschrifteten Flaschen und verschließbaren Fächern, die Konzentrate bleiben im Lager. Füllen Sie nie in Getränkeflaschen um, auch nicht mit Aufschrift. Solange Sie im Zimmer arbeiten, steht der Wagen in Sichtweite an der Tür, und die Fächer sind zu.
  • Konzentrat im Lager falsch ansetzen. Viele Desinfektionskonzentrate sind mit dem Ätzsymbol gekennzeichnet. Beim Ansetzen und Umfüllen ätzender Konzentrate tragen Sie Handschuhe und eine Korbbrille, also eine Schutzbrille, die rundum dicht anliegt. Erst kommt kaltes Wasser in den Eimer, dann das Konzentrat. Das Desinfektionsmittel setzen Sie nur mit Wasser an, Reiniger kommt nie dazu.
  • Den ganzen Flur auf einmal nass wischen. Auf nassem Boden rutschen Bewohner mit Rollator leicht aus. Wischen Sie abschnittsweise, am besten während der Mahlzeiten, und stellen Sie ein Warnschild auf. Wenn der Bezug gut ausgepresst ist, trocknet der Boden schnell. Einen desinfizierten Boden betreten Bewohner erst, wenn er trocken ist.

Reinigungsdienst fürs Pflegeheim auswählen

Ein Pflegeheim braucht die Reinigung an sieben Tagen. Am Wochenende genügen meist Sanitärräume und Kontaktflächen.

  • Fragen Sie, wer tatsächlich ins Haus kommt und ob das eigene Beschäftigte des Dienstleisters sind. Für jede Kraft sollte eine Hygieneschulung mit Datum belegt sein.
  • Klären Sie, wer bei Urlaub und Krankheit kommt. Die Vertretung muss Hygieneplan und Zimmerkarten kennen.
  • Wie schnell der Dienstleister bei Norovirus Personal aufstockt, lassen Sie sich schon im Angebot beschreiben.
  • Lassen Sie sich zeigen, wie die Reinigung dokumentiert wird. Ein Nachweis mit Uhrzeit pro Zimmer hilft, wenn Heimaufsicht oder Gesundheitsamt nachfragen.

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Produkte aus diesem Artikel

Erhältlich bei der Klar GmbH, Wölflstraße 17, Penzberg. Wir beraten, welches Mittel zu Ihrer Fläche passt. Zum Produktkatalog.

Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Häufige Fragen dazu

Muss im Pflegeheim jeden Tag desinfiziert werden?

Nicht jede Fläche braucht das. In Zimmer und Bewohnerbad reicht im Normalbetrieb meist die Reinigung. Desinfiziert wird bei Verschmutzung mit Körperflüssigkeit, bei Bewohnern mit Infektion oder MRE, im Pflegebad und im Ausbruch. Manche Hygienepläne sehen für Kontaktflächen trotzdem eine tägliche Wischdesinfektion vor.

Darf die Reinigungskraft Sachen der Bewohner wegräumen?

Nein. Persönliche Dinge bleiben, wo sie sind. Was wir zum Wischen verrücken, stellen wir genau an seinen Platz zurück.

Müssen Angehörige das Zimmer im Pflegeheim selbst putzen?

Angehörige müssen dort nicht selbst putzen. Die Reinigung von Zimmer, Bad und Gemeinschaftsräumen gehört zur Unterkunft, die der Bewohner mit dem Heimentgelt bezahlt. Geregelt ist das in den Rahmenverträgen der Länder nach § 75 SGB XI.

Bevor Sie loslegen

Die Angaben stammen aus unserer täglichen Arbeit und aus den Herstellerangaben der Mittel. Untergründe, Beschichtungen und Verschmutzungen unterscheiden sich trotzdem von Objekt zu Objekt. Testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle, halten Sie sich an die Dosierung und die Sicherheitshinweise des Herstellers und mischen Sie niemals zwei Reiniger. Für Schäden, die aus der Anwendung dieser Anleitung entstehen, können wir nicht haften.