Warum Sprühfarbe auf Putz tiefer sitzt als auf Glas
Sprühfarbe besteht aus Pigment, Bindemittel und Lösemittel. Auf dichten Flächen wie Glas, Edelstahl oder glasierten Fliesen trocknet sie als Film, den ein Lösemittel wieder anlöst. Anders bei Putz, Beton, Ziegel und Naturstein. Diese Baustoffe saugen Pigment und Bindemittel schon beim Sprühen in ihre Poren, und weil die Farbe dort aushärtet, lässt sie sich mit jedem Tag schwerer anlösen.
Wie schnell sie aushärtet, hängt vom Wetter ab. Bei Föhn und praller Sonne geht es deutlich schneller als an kühlen, feuchten Tagen.
Glas und Metall: Lösemittel mit kurzer Einwirkzeit
Auf glatten Flächen reicht ein Lösemittel, das nur kurz einwirken muss. Es greift aber auch Lack, Pulverbeschichtung und Sonnenschutzfolie an.
| Untergrund | Mittel | Grenze |
|---|---|---|
| Glas, unbeschichtet | Aceton oder Graffitientferner, Reste mit dem Glasschaber | Rahmen, Dichtungen und Kunststoff nicht benetzen; Einscheibensicherheitsglas (Stempel „ESG“ in einer Ecke) zerkratzt mit der Klinge leicht |
| Beschichtetes Glas, Sonnenschutzfolie | nur milder Reiniger und weiches Tuch, sonst Fachbetrieb | Lösemittel und Klinge können die Schicht zerstören, im Zweifel Folie oder Scheibe tauschen lassen |
| Edelstahl, Aluminium roh | lösemittelhaltiger Graffitientferner als Gel, kurz einwirken lassen, Mikrofasertuch | in Schliffrichtung wischen; auf Aluminium kein alkalischer Entferner, Lauge greift es an |
| Lackiertes Metall, Pulverbeschichtung | milder, für Lack freigegebener Entferner, sofort wieder abwischen | Lack kann anlösen oder den Glanz verlieren, erst an verdeckter Stelle testen |
| Permanentmarker auf Glas und Metall | Isopropanol oder Graffitientferner, Mikrofasertuch | auf Kunststoff erst testen, Acrylglas kann durch Alkohol Risse bekommen |
Solange die Farbe frisch ist, bekommen Sie sie von Glas und Edelstahl selbst ab. Den Glasschaber nehmen wir erst für die Reste, nachdem das Lösemittel die Farbe angelöst hat.
Aceton und Isopropanol brennen leicht und reizen die Augen. Rauchen Sie dabei nicht, stellen Sie keinen Heizstrahler in die Nähe und tragen Sie eine Schutzbrille. Dünne Nitrilhandschuhe halten Aceton nur kurz ab. Wechseln Sie sie nach jedem Spritzer oder nehmen Sie gleich Handschuhe aus Butylkautschuk.
Was Beton, Klinker, Putz und Naturstein vertragen
Auf Beton und Ziegel sitzt die Farbe in den Poren, bei Klinker vor allem in den Fugen. Auf seiner gebrannten Außenhaut liegt sie großteils nur auf. In beiden Fällen löst ein gelförmiger Graffitientferner sie an, und ein Hochdruckreiniger mit Heißwasser spült sie heraus. Kalter Hochdruck ohne Entferner löst ausgehärtete Farbe dagegen kaum und raut die Oberfläche auf.
| Untergrund | Verfahren | Risiko |
|---|---|---|
| Beton, Sichtbeton | Gel mit der Einwirkzeit vom Etikett, dann Heißwasser | raut bei zu viel Druck auf |
| Klinker, Ziegel | Gel, dann Heißwasser mit weniger Druck; Reste: Fachbetrieb mit Niederdruckstrahlen und feinem Strahlgut | Fugen können auswaschen, beim Strahlen raut die gebrannte Außenhaut auf |
| Putz, gestrichen | Sperrgrund, dann Fassadenfarbe im Originalton | Farbton weicht ab, deshalb bis zur nächsten Kante streichen |
| Putz, ungestrichen (Kratz-, Edel-, Kalkputz) | nicht wischen; Gel oder Kompresse einwirken lassen, Abnahme durch Fachbetrieb mit Niederdruck; weichen Kalkputz besser mit mineralischem System überstreichen | kein Hochdruck, Wischen verteilt die angelöste Farbe tiefer in die Poren, weicher Putz wäscht aus und verliert seine Struktur |
| Dämmfassade | milder Entferner, Schwamm, Handdruck oder überstreichen wie Putz | kein Hochdruck, kein starkes Lösemittel |
| Naturstein, Sandstein | Lösemittelkompresse über mehrere Stunden, dann Schwamm und Wasser; Fachbetrieb | kein Druck, keine Säure, häufig bleibt ein blasser Schatten |
Klinker ist so dicht gebrannt, dass er wenig Farbe aufnimmt. Die Mörtelfugen saugen dagegen stark. Was nach dem Waschen übrig bleibt, sehen wir deshalb vor allem in den Fugen.
Auf gestrichenem Putz steckt das Graffiti im Anstrich. Weil ein Entferner dort auch die Fassadenfarbe anlöst, ist Überstreichen normalerweise die schonendere Lösung.
Zuerst streichen Sie einen Sperrgrund vor. Er isoliert die Sprühfarbe, damit sie nicht durch die neue Farbe durchschlägt. Stimmen Sie Sperrgrund und Farbe auf den vorhandenen Anstrich ab, etwa auf Silikat- oder Dispersionsfarbe.
Ungestrichenen Kratz- oder Kalkputz wischen Sie nicht ab. Der Schwamm verteilt die angelöste Farbe über die Fläche und drückt sie tiefer in die Poren, der Schatten wird größer statt kleiner.
Bei einer Dämmfassade, im Handwerk Wärmedämmverbundsystem oder kurz WDVS, liegt auf den Dämmplatten nur eine wenige Millimeter dünne Putzschicht. Hochdruck kann sie beschädigen, und starke Lösemittel wie Aceton lösen Dämmplatten aus Polystyrol an.
Graffiti auf Naturstein überlassen Sie besser einem Fachbetrieb, weil jede Sorte anders reagiert. Marmor, Kalkstein und Travertin vertragen keine Säure. Säure löst den Stein an, es bleiben matte, helle Stellen. Unbekannten Stein behandeln Sie wie Marmor und lassen die Säure weg.
Graffiti von Beton und Klinker abwaschen
- Vorher Fotos. Fotografieren Sie das Graffiti mit Datum, bevor Sie etwas daran verändern, auch für den Vergleich vorher und nachher.
- Probefläche. Testen Sie das vorgesehene Mittel an einer unauffälligen Stelle und lassen Sie die Stelle ganz trocknen. Erst wenn die Probe gut aussieht, kommt das Mittel auf die ganze Fläche. An der Probe legen Sie auch Druck und Abstand fürs Abspülen fest.
- Umgebung schützen. Boden und Pflanzen kommen unter Folie, Fenster und Beschläge kleben Sie ab, und den Gully dichten Sie ab. Das Spülwasser fangen Sie auf, etwa mit Folie und Nasssauger, denn Farbe und Entferner dürfen weder in den Kanal noch ins Erdreich. Ins Waschbecken oder in die Toilette schütten Sie es auch nicht, sondern bringen es mit den Resten zur Schadstoffsammlung, etwa zum Wertstoffhof oder Schadstoffmobil.
- Gel satt auftragen. Tragen Sie Schutzbrille und Handschuhe, egal ob der Entferner Lösemittel enthält oder alkalisch ist. Welche Handschuhe passen, steht in Abschnitt 8 des Sicherheitsdatenblatts. Ist auf dem Etikett das Ätzsymbol, gehört eine dicht anliegende Korbbrille dazu, denn Lauge im Auge richtet mehr an als Säure. Streichen Sie das Gel mit dem Pinsel von unten nach oben, damit nichts abläuft und Laufspuren zieht. Einwirken muss es so lange, wie das Etikett für den Untergrund angibt. Bei Sonne decken Sie es mit Folie ab, damit es nicht antrocknet.
- Mit der Nylonbürste. Die angelöste Farbe bürsten Sie kreisend aus, auf glatten Stellen mit Schwamm oder Mikrofasertuch.
- Heiß abspülen. Spülen Sie mit der Flachstrahldüse von oben nach unten, mit dem Druck und Abstand aus der Probefläche. Auf Klinker arbeiten Sie wegen der Fugen mit weniger Druck als auf Beton. Weil Farbe und Entferner zurückspritzen, bleibt die Brille auf. Richten Sie den Strahl nie auf Menschen, Steckdosen, Leuchten oder Kabel. Von der Leiter aus arbeiten Sie nicht mit dem Hochdruckreiniger.
- Zum Schluss klares Wasser. Spülen Sie nach und lassen Sie die Wand trocknen. Beurteilen Sie das Ergebnis erst an der trockenen Wand, und wenn ein Schatten bleibt, wiederholen Sie den Durchgang.
Opferschicht oder permanente Beschichtung
Wo einmal Graffiti war, kommt nicht selten neues dazu. Eine Anti-Graffiti-Beschichtung nach der Entfernung hält die nächste Farbe weitgehend aus den Poren. Neue Farbe geht dann in vielen Fällen schon mit Heißwasser oder dem Reiniger des Beschichtungsherstellers ab.
| Merkmal | Opferschicht | Permanente Beschichtung |
|---|---|---|
| Material | Wachs oder Polysaccharid | Polyurethan, Silikon, Fluorpolymer |
| Graffiti entfernen | Heißwasser mit wenig Druck, Werte vom Beschichtungshersteller | Reiniger des Beschichtungsherstellers |
| Danach | Schicht neu auftragen | Schicht bleibt, mehrmals nutzbar |
| Feuchte aus der Wand | kann entweichen (diffusionsoffen) | entweicht je nach System schlechter |
| Aussehen | kaum sichtbar, kann die Fläche etwas dunkler machen | teils glänzend |
| Kosten | in der Anschaffung günstiger | teurer |
| Passt zu | Putz, Klinker | Beton, Metall, stark betroffenen Flächen wie Unterführungen und Ladenfronten |
An vielen Baudenkmälern sind permanente Beschichtungen nicht zulässig. Stimmen Sie die Beschichtung an denkmalgeschützten Fassaden vorher mit der Denkmalbehörde ab.
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Erhältlich bei der Klar GmbH, Wölflstraße 17, Penzberg. Wir beraten, welches Mittel zu Ihrer Fläche passt. Zum Produktkatalog.
Häufige Fragen dazu
Zahlt die Versicherung die Graffiti-Entfernung?
Ob sie zahlt, steht in Ihrer Police. Graffiti ist in vielen Policen nur über einen eigenen Baustein oder eine Vandalismusklausel versichert, mit Selbstbeteiligung. Die meisten Versicherer setzen Fotos mit Datum und eine Anzeige bei der Polizei voraus. Melden Sie den Schaden deshalb, bevor Sie das Graffiti entfernen.
Geht Graffiti auf Putz mit dem Hochdruckreiniger weg?
Auf Putz lassen Sie den Hochdruckreiniger besser weg. Kaltes Wasser ohne Entferner löst ausgehärtete Farbe kaum, raut aber den Putz auf, und die Stelle nimmt danach leichter Schmutz und neue Farbe an. Ungestrichenen Putz wischen Sie auch nicht mit Entferner ab, weil das die Farbe tiefer in die Poren drückt. Dort trägt ein Fachbetrieb Gel oder Kompresse auf und nimmt sie mit Niederdruck ab, weichen Kalkputz, gestrichenen Putz und Dämmfassaden streichen Sie besser über.
Das Graffiti ist schon drei Wochen alt. Geht das noch ab?
Von unbeschichtetem Glas und blankem Metall wie Edelstahl bekommen Sie die Farbe mit Lösemittel meist noch ganz ab. Lackiertes oder pulverbeschichtetes Metall behandeln Sie nur mit einem milden, für Lack freigegebenen Entferner und testen ihn vorher an verdeckter Stelle. Auf Klinker und Beton bleibt nach drei Wochen oft ein Schatten, den auch ein zweiter Durchgang nur aufhellt. Den Rest holt ein Fachbetrieb mit Niederdruckstrahlen heraus, gestrichenen Putz streichen Sie am besten über.
Bevor Sie loslegen
Die Angaben stammen aus unserer täglichen Arbeit und aus den Herstellerangaben der Mittel. Untergründe, Beschichtungen und Verschmutzungen unterscheiden sich trotzdem von Objekt zu Objekt. Testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle, halten Sie sich an die Dosierung und die Sicherheitshinweise des Herstellers und mischen Sie niemals zwei Reiniger. Für Schäden, die aus der Anwendung dieser Anleitung entstehen, können wir nicht haften.




