Rechtlicher Rahmen und Bereiche
Grundlage sind die RKI-Empfehlung „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde“, die Biostoffverordnung und der praxiseigene Hygieneplan, den die Praxis nach § 36 IfSG führen muss. Der Hygieneplan legt fest, welche Fläche wie oft mit welchem Mittel behandelt wird. Die Reinigungsfirma arbeitet nach diesem Plan, nicht nach eigenem Ermessen.
Die Praxis wird in Risikobereiche eingeteilt:
- Behandlungszimmer: patientennahe Flächen (Stuhl, Ablage, Leuchte, Speibecken) werden von der Praxis nach jedem Patienten wischdesinfiziert. Die Reinigungsfirma übernimmt Boden, patientenferne Flächen, Waschbecken, Abfall.
- Aufbereitungsraum (Steri): unreine und reine Seite, Boden und Flächen täglich desinfizierend, nie Instrumente berühren.
- Röntgen: wie Behandlungszimmer.
- Wartebereich, Empfang, Flur, Personalräume: Reinigung wie Büro, Kontaktflächen desinfizierend.
- Patienten-WC: täglich desinfizierende Reinigung.
Mittel: Reinigen, Desinfizieren, VAH-Listung
| Fläche | Mittel | Konzentration und Einwirkzeit | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Böden Behandlungsräume, Steri | Flächendesinfektionsreiniger, VAH-gelistet, z. B. Kiehl Blutoxol oder Produkte auf QAV-Basis | Nach VAH-Listung, typisch 0,5 bis 1 % bei 15 bis 60 Minuten; bakterizid, levurozid, begrenzt viruzid | Nass aufbringen, nicht nachwischen, Einwirkzeit einhalten |
| Böden Wartezimmer, Flur | Unterhaltsreiniger, z. B. Dr. Schnell Forol | Nach Dosierangabe | Desinfektion hier nur anlassbezogen |
| Kontaktflächen: Türklinken, Lichtschalter, Empfangstresen, Stuhllehnen | Wischdesinfektion mit gebrauchsfertigem Tuch oder Lösung | 1 bis 5 Minuten je Präparat | Alkoholische Mittel nicht auf Acrylglas, Kunstleder prüfen |
| Waschbecken, Armaturen | Sanitärreiniger, danach Desinfektion | Reinigung 3 bis 5 Minuten, dann Desinfektion | Erst reinigen, dann desinfizieren, nie mischen |
| Patienten-WC | Desinfizierender Sanitärreiniger | 5 bis 15 Minuten | Getrennte Tücher und Farbcode |
| Abfall | Kein Mittel | Spitze Gegenstände nur in Kanülenboxen, nie Müllsack durchsuchen |
VAH-gelistet bedeutet, dass der Verbund für Angewandte Hygiene die Wirksamkeit bei genannter Konzentration und Einwirkzeit geprüft hat. Diese Angaben stehen auf dem Etikett und sind verbindlich. Ein Desinfektionsmittel, das nach zwei Minuten trocken gewischt wird, obwohl es 15 Minuten braucht, hat nicht desinfiziert. Der Wischbezug muss so nass sein, dass die Fläche in der ganzen Einwirkzeit feucht bleibt.
Reihenfolge und Ablauf nach dem letzten Patienten
- Schutzausrüstung. Nitrilhandschuhe, bei Bedarf Schutzbrille. Hände vor und nach dem Einsatz desinfizieren, Hepatitis-B-Impfung für Reinigungskräfte in Praxen ist bei uns Standard.
- Von rein nach unrein. Reihenfolge: Empfang und Wartebereich, Personalraum, Behandlungszimmer, Röntgen, Aufbereitungsraum, zuletzt Patienten-WC. Nie umgekehrt, nie mit demselben Tuch von einem Bereich in den nächsten.
- Farbcode für Tücher und Bezüge. Rot für Sanitär, gelb für Waschbecken, blau für Kontaktflächen, grün für Küche. Je Behandlungszimmer ein frischer Bezug für den Boden.
- Kontaktflächen wischdesinfizieren. Türklinken, Schalter, Tresen, Armlehnen, Kartenleser, Türrahmen in Griffhöhe. Fläche vollständig benetzen, Einwirkzeit abwarten, nicht trocken reiben.
- Abfall. Restmüll aus Behandlungszimmern in reißfeste Säcke, Sack nicht zusammendrücken. Kanülenboxen werden nie von uns entleert, nur der geschlossene Behälter auf Anweisung transportiert.
- Waschbecken und Armaturen. Erst Sanitärreiniger gegen Kalk, im Oberland bei 14 bis 18 °dH täglich nötig, dann Desinfektion.
- Böden. Behandlungsräume und Steri mit Desinfektionsreiniger nass wischen, Einwirkzeit beachten, nicht nachwischen. Wartezimmer und Flur mit Unterhaltsreiniger. Bezug nach jedem Raum wechseln.
- Dokumentation. Einsatz mit Uhrzeit, Räumen und Mittel im Protokoll. Der Hygieneplan verlangt einen Nachweis; die Praxis muss ihn bei Begehung durch das Gesundheitsamt vorlegen.
Profi-Tipp: Einwirkzeit ist keine Empfehlung
Sonderfälle und häufige Fehler
Blut auf dem Boden
Sichtbare Kontamination erst mit Zellstoff und Desinfektionsmittel aufnehmen (Handschuhe, Zellstoff in den Sack), dann die Stelle mit Desinfektionsreiniger in erhöhter Konzentration behandeln, meist 1 bis 2 Prozent und 60 Minuten. Nicht zuerst mit Wasser wischen, das verteilt.
Aufbereitungsraum
Nur Boden und freie Flächen. Nie Ablagen mit Instrumenten, Siebe oder Verpackungen berühren, nie den Thermodesinfektor oder Autoklaven öffnen. Reine und unreine Seite mit getrennten Tüchern.
Polster im Wartezimmer
Stühle mit Kunstlederbezug sind wischdesinfizierbar, Stoffpolster nicht. Bei Stoff nur saugen und einmal jährlich Sprühextraktion. Bei Neuanschaffung raten wir zu Kunstleder.
Behandlungsstuhl
Gehört zu den patientennahen Flächen und wird vom Praxisteam desinfiziert. Wir wischen den Stuhl nicht, damit keine unklaren Zuständigkeiten entstehen. Wenn die Praxis das an uns übergeben will, steht das ausdrücklich im Hygieneplan.
Alkohol auf Kunststoff
Alkoholische Schnelldesinfektion macht Acrylglas, manche Displays und Kunstleder auf Dauer rissig. Hier QAV-basierte Mittel verwenden, laut Herstellerfreigabe.
Wie oft ist sinnvoll
Behandlungsräume, Steri, Patienten-WC und Kontaktflächen täglich nach dem letzten Patienten. Wartebereich und Flur täglich, Personalräume dreimal pro Woche, Fenster viertel- bis halbjährlich, Grundreinigung der Böden jährlich, in Praxen mit PVC-Boden inklusive neuer Beschichtung. Bei Praxen mit Nachmittagssprechstunde bis 19 Uhr beginnen wir ab 19.30 Uhr, morgens ist die Praxis trocken und geruchsfrei.
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Produkte aus diesem Artikel
Erhältlich bei der Klar GmbH, Wölflstraße 17, Penzberg. Wir beraten, welches Mittel zu Ihrer Fläche passt. Zum Produktkatalog.
Häufige Fragen dazu
Reicht Sprühdesinfektion für Kontaktflächen?
Nein. Sprühen benetzt unvollständig, belastet die Atemwege und ist laut RKI der Wischdesinfektion unterlegen. Kontaktflächen werden mit getränktem Tuch oder gebrauchsfertigem Desinfektionstuch nass abgewischt und trocknen von selbst.
Darf die Reinigungsfirma Instrumente wegräumen?
Nein. Instrumente, Siebe, Verpackungen und Geräte im Aufbereitungsraum werden ausschließlich vom Praxispersonal angefasst. Die Reinigungsfirma reinigt Böden und freie Flächen. Das schützt beide Seiten rechtlich.
Muss die Reinigungsfirma den Hygieneplan der Praxis kennen?
Ja. Der Hygieneplan legt Mittel, Konzentration, Einwirkzeit und Frequenz fest. Ohne diesen Abgleich reinigt die Firma nach eigenem Ermessen, und das hält bei einer Begehung nicht stand.
Bevor Sie loslegen
Die Angaben stammen aus unserer täglichen Arbeit und sind sorgfältig geprüft. Untergründe, Beschichtungen und Verschmutzungen unterscheiden sich trotzdem von Objekt zu Objekt. Testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle, halten Sie sich an die Dosierung und die Sicherheitshinweise des Herstellers und mischen Sie niemals zwei Reiniger. Für Schäden, die aus der Anwendung dieser Anleitung entstehen, können wir nicht haften.




