Wo die Arbeit des Praxisteams endet
Grundlage sind die RKI-Empfehlung „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde“, die Biostoffverordnung und der Hygieneplan der Praxis. Auch die Reinigungskraft arbeitet nach diesem Plan statt nach eigenem Ermessen. Für Behandlungszimmer, Röntgen und Aufbereitungsraum sieht die Aufteilung so aus:
| Bereich | Praxisteam | Reinigungskraft |
|---|---|---|
| Behandlungszimmer, Röntgen | Stuhl, Ablage, Leuchte, Speibecken nach jedem Patienten | Boden, patientenferne Flächen, Waschbecken, Abfall |
| Aufbereitungsraum („Steri“) | Instrumente, Siebe, Sterilgut, Geräte | Boden und freie Flächen |
Empfang, Wartebereich, Flur und Personalräume reinigt die Reinigungskraft wie ein Büro. Türklinken, Tresen und andere Stellen, die viele Hände anfassen, wischdesinfiziert sie, wenn der Hygieneplan das vorsieht. Im Patienten-WC reinigt sie desinfizierend.
Desinfizieren oder nur reinigen
VAH-gelistet heißt, dass die Wirksamkeit eines Mittels nach den Prüfmethoden des Verbunds für Angewandte Hygiene belegt ist. Das gilt jeweils für eine feste Konzentration und Einwirkzeit. Beide Werte stehen auf dem Etikett und gehören zusammen, denn bei einer niedrigeren Konzentration dauert es länger, bis die geprüfte Wirkung erreicht ist.
| Fläche | Mittel | darauf achten |
|---|---|---|
| Böden in Behandlungszimmer und Aufbereitungsraum | VAH-gelisteter Desinfektionsreiniger | Wirkungsbereich bakterizid, levurozid, begrenzt viruzid |
| Böden in Wartebereich und Flur | Unterhaltsreiniger | Desinfektion nur bei Anlass, etwa Blut |
| Türklinken, Tresen, Stuhllehnen | getränktes oder gebrauchsfertiges Desinfektionstuch | ganz benetzen |
| Lichtschalter, Kartenleser | Desinfektionstuch, feucht und nicht tropfend | nie sprühen, beim Kartenleser das Mittel des Geräteherstellers |
| Waschbecken, Armaturen | saurer Sanitärreiniger, danach Desinfektion | dazwischen gründlich mit Wasser nachspülen |
| Patienten-WC | desinfizierender Sanitärreiniger | eigene Tücher |
Reinigungsgang nach dem letzten Patienten
Der Reinigungsgang führt von rein nach unrein. Er beginnt bei Empfang und Wartebereich, dann folgen Personalraum, Behandlungszimmer, Röntgen und Aufbereitungsraum, und das Patienten-WC kommt immer zuletzt. Jeder Bereich hat seine Tuchfarbe: rot das WC, gelb die Waschbecken, blau die Kontaktflächen, grün die Küche. Kein Tuch wandert von einem Bereich in den nächsten.
- Beginn. Desinfizieren Sie die Hände und ziehen Sie Nitrilhandschuhe an. Eine Schutzbrille kommt dazu, sobald Sie Konzentrate ansetzen.
- Kontaktflächen. Türklinken, Tresen, Armlehnen und Türrahmen in Griffhöhe benetzen Sie vollständig. Schalter und Kartenleser wischen Sie dagegen nur mit einem feuchten Tuch ab, das nicht tropft, und sprühen dort nie, weil sonst Flüssigkeit ins Gerät läuft. Für den Kartenleser gibt meist der Gerätehersteller das Mittel vor.
- Abfall. Restmüll aus den Behandlungszimmern kommt in reißfeste Säcke. Drücken Sie den Sack nicht zusammen, weil darin eine Kanüle stecken kann. Kanülenboxen öffnen oder umfüllen Sie nie, Sie bringen sie nur geschlossen und auf Anweisung der Praxis weg. Danach ziehen Sie die Handschuhe aus, desinfizieren die Hände und nehmen ein frisches Paar.
- Waschbecken. Den Kalk lösen Sie zuerst mit saurem Sanitärreiniger, und zwar nur auf säurefesten Flächen wie Keramik. Marmor, Kalkstein, Travertin und Terrazzo vertragen keine Säure. Auf Chrom kommt der Reiniger auf ein weiches Baumwolltuch statt auf Mikrofaser, nie direkt auf die Armatur. Lassen Sie ihn dort nicht länger einwirken, als auf dem Etikett steht.
- Nachspülen. Chlorreiniger und Säure dürfen nie zusammenkommen, dabei entsteht giftiges Chlorgas. Chlor steht oft nicht im Produktnamen, auf dem Etikett heißt es dann Natriumhypochlorit oder Aktivchlor. Schon Reste im Siphon, in den Fugen oder im Tuch reichen dafür, auch wenn Sie die Mittel nur nacheinander benutzen. Bevor das Desinfektionsmittel drankommt, wischen Sie Becken und Armatur deshalb mit viel klarem Wasser nach und reiben die Armatur mit dem Baumwolltuch trocken.
- Böden. Im gewerblichen Einsatz nehmen wir dafür Desinet-compact Konzentrat, 50 ml auf 10 l Wasser. Das Konzentrat ist ätzend, Sie erkennen das am Ätzsymbol auf dem Etikett. Beim Umfüllen und Verdünnen ätzender Konzentrate gehört eine Korbbrille dazu. Das ist eine Schutzbrille, die rundum dicht am Gesicht anliegt. Füllen Sie erst kaltes Wasser in den Eimer und dann das Konzentrat, weil es umgekehrt spritzt und warmes Wasser mehr Dämpfe freisetzt. Desinfektionsmittel setzen Sie nur mit Wasser an, nie mit Reiniger. Behandlungszimmer und Aufbereitungsraum wischen Sie damit nass, ohne nachzuwischen, Wartebereich und Flur mit Unterhaltsreiniger. Nach jedem Raum nehmen Sie einen frischen Bezug, wechseln die Handschuhe und desinfizieren die Hände. Betreten werden die Böden erst, wenn sie trocken sind.
- Protokoll. Bevor Sie Uhrzeit, Räume und Mittel eintragen, ziehen Sie die Handschuhe aus und desinfizieren die Hände. Mit dem Protokoll weist die Praxis die Reinigung nach, etwa bei einer Begehung durch das Gesundheitsamt.
Blut, Aufbereitungsraum und Acrylglas
Blut auf dem Boden
Wenn Sie Blut mit Wasser vorwischen, verteilen Sie es nur. Sichtbares Blut nehmen Sie deshalb zuerst mit Zellstoff auf, der mit Desinfektionsmittel getränkt ist, und der Zellstoff kommt sofort in den Abfallsack. Danach desinfizieren Sie die Stelle so, wie es der Hygieneplan für Blut vorsieht.
Nach Blut, Erbrochenem oder Stuhl gilt die volle Einwirkzeit vom Etikett. Erst danach darf die Fläche wieder benutzt werden.
Im Aufbereitungsraum
Für die reine und die unreine Seite nehmen wir getrennte Tücher. Ablagen mit Instrumenten, Siebe und Verpackungen lassen Sie unberührt. Thermodesinfektor und Autoklav öffnen Sie selbst zum Auswischen nie.
Alkohol auf Acrylglas und Kunstleder
Häufige alkoholische Schnelldesinfektion macht Acrylglas rissig, ebenso manche Displays und manches Kunstleder. Auf diesen Flächen nehmen Sie ein alkoholfreies Mittel, das der Hersteller des Geräts oder Möbels freigibt, etwa eines auf Basis quaternärer Ammoniumverbindungen.
Turnus: die meisten Räume täglich
Wenn die Sprechstunde um 19 Uhr endet, beginnt die Reinigung etwa ab 19.30 Uhr. Bis zum Morgen sind die Böden dann trocken, und der Geruch des Desinfektionsmittels ist verflogen.
| Bereich | Turnus |
|---|---|
| Behandlungszimmer, Aufbereitungsraum, Patienten- und Personal-WC, Kontaktflächen | täglich nach dem letzten Patienten |
| Empfang, Wartebereich, Flur | täglich |
| Personalräume | 3× pro Woche |
| Fenster | alle 3–6 Monate |
| Grundreinigung der Böden | 1× im Jahr |
Die Grundreinigung entfernt alte Pflegefilme und den Schmutz in Kanten, den das tägliche Wischen nicht löst. Ob ein PVC-Boden danach neu beschichtet wird, steht in der Pflegeanleitung des Belags.
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Produkte aus diesem Artikel
Erhältlich bei der Klar GmbH, Wölflstraße 17, Penzberg. Wir beraten, welches Mittel zu Ihrer Fläche passt. Zum Produktkatalog.
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Häufige Fragen dazu
Reicht es, Türklinken mit Desinfektionsspray einzusprühen?
Nein. Sprühen benetzt die Fläche nicht vollständig, und der Sprühnebel belastet die Atemwege. Die KRINKO beim RKI rät zur Wischdesinfektion mit getränktem oder gebrauchsfertigem Tuch.
Kann die Reinigungskraft den Behandlungsstuhl gleich mit abwischen?
Das geht nur, wenn der Hygieneplan es ausdrücklich so festlegt. Der Stuhl zählt zu den patientennahen Flächen, und die desinfiziert das Praxisteam nach jedem Patienten. Wenn der Plan dazu nichts sagt, lässt sich später nicht nachvollziehen, wer zuständig war.
Unsere Wartezimmerstühle haben Stoffbezüge. Müssen die raus?
Stoffbezüge können bleiben, lassen sich aber nicht wischdesinfizieren. Für die Polster reichen Saugen und einmal im Jahr eine Sprühextraktion. Das Gerät sprüht dabei Wasser mit Reiniger ins Polster und saugt es sofort wieder ab. Kommt Blut oder Erbrochenes auf einen Bezug, regelt der Hygieneplan, ob er gereinigt oder getauscht wird, und bei einer Neuanschaffung ist Kunstleder die bessere Wahl.
Muss die Reinigungskraft gegen Hepatitis B geimpft sein?
Gegen Hepatitis B gibt es keine Impfpflicht. Wenn die Reinigungskraft regelmäßig in der Praxis arbeitet und nach 1970 geboren ist, muss sie aber nach § 20 Abs. 8 IfSG einen Masernschutz nachweisen. Die Hepatitis-B-Impfung muss der Arbeitgeber nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV, § 6 Abs. 2) anbieten, wenn das Infektionsrisiko bei der Arbeit erhöht ist. In der Zahnarztpraxis kann die Reinigungskraft mit Blut in Berührung kommen oder sich an einer Kanüle im Abfall stechen.
Bevor Sie loslegen
Die Angaben stammen aus unserer täglichen Arbeit und aus den Herstellerangaben der Mittel. Untergründe, Beschichtungen und Verschmutzungen unterscheiden sich trotzdem von Objekt zu Objekt. Testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle, halten Sie sich an die Dosierung und die Sicherheitshinweise des Herstellers und mischen Sie niemals zwei Reiniger. Für Schäden, die aus der Anwendung dieser Anleitung entstehen, können wir nicht haften.




